
Marketing für die Arztpraxis: Regeln, Kanäle, Wochenplan
Ärztinnen und Ärzte dürfen sachlich über ihre Praxis informieren. Hier steht, was erlaubt ist und wie du damit weniger Anrufe, passende Patienten und neue MFA bekommst.
Von Jakob, Online-Marketing-Experteaktualisiert am
Kurz gesagt
Ja, Praxismarketing ist erlaubt, wenn es sachlich über deine Praxis informiert. So steht es in der Berufsordnung deiner Landesärztekammer, deren Muster der Deutsche Ärztetag im Mai 2026 zuletzt beschlossen hat.
- Hausarzt in der Nähe
- 110.000
- Arzt in der Nähe
- 49.500
- Ärztlicher Bereitschaftsdienst
- 49.500
- Arzt online Termin
- 6.600
Fast so oft wie nach einer Praxis wird nach dem Bereitschaftsdienst gesucht. Sprechzeiten und der Hinweis auf die 116117 gehören deshalb gut sichtbar auf Website und Profil. Quelle: Google Keyword Planner, Oktober 2026.
Für die meisten Praxen zählt das Google-Profil am meisten. Nach „Hausarzt in der Nähe“ suchen Menschen in Deutschland rund 110.000 Mal im Monat, nach „Arzt in der Nähe“ 49.500 Mal (Google Keyword Planner, Oktober 2026). Wer dort aktuelle Sprechzeiten, Telefonzeiten und den Weg zur Online-Terminbuchung findet, ruft seltener an.
Was du in der Werbung darfst
Die Faustregel: Informieren ja, anpreisen, irreführen und vergleichen nein, auch nicht über eine Agentur oder ein Portal in deinem Namen. Nennen darfst du Facharzt- und Zusatzbezeichnungen, Tätigkeitsschwerpunkte und praktische Hinweise wie Barrierefreiheit oder Sprachen im Team.
- Patientenstimmen sind erlaubt, wenn sie echt sind, nicht übertreiben und der Patient zugestimmt hat. Ohne Diagnose.
- Erfolgsversprechen wie „Nach drei Sitzungen schmerzfrei“ sind tabu.
- Die Videosprechstunde darfst du bewerben, wenn klar ist, wofür sie ohne persönlichen Kontakt reicht.
- Ein Kugelschreiber mit Praxisaufdruck ist in Ordnung, Geschenke mit echtem Wert nicht. Vorher-Nachher-Bilder für Schönheitseingriffe ohne medizinischen Grund sind verboten.
- Abgerechnet wird nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ). Lockpreise für Selbstzahlerleistungen passen schlecht dazu, sprich Preiswerbung vorher mit deiner Ärztekammer ab.
In Österreich und der Schweiz gilt dasselbe Prinzip: sachlich, wahr und nicht aufdringlich. Die Österreichische Ärztekammer erlaubt ausdrücklich ein Erinnerungssystem für Termine, Namen und Fotos von Patienten nur mit Zustimmung.
Das ist ein Überblick und keine Rechtsberatung. Gesetze und Berufsordnungen ändern sich. Wenn du unsicher bist, frag deine Kammer, deinen Verband oder einen Anwalt.
Werbung, um MFA zu finden
Für viele Praxen ist die knappste Ressource nicht der Patient, sondern die Medizinische Fachangestellte. In einer Stellenanzeige wirbst du als Arbeitgeber, nicht für Behandlungen. Zeig, was dein Team ausmacht: Arbeitszeiten, Stimmung, Fortbildungen, ein fester Feierabend. Echte Fotos vom Team wirken stärker als Bilder aus einer Fotodatenbank, und ein Beitrag auf Instagram oder Facebook wird von Freundinnen deiner Mitarbeiterinnen geteilt. Auch das Google-Profil eignet sich für einen kurzen Hinweis „Wir suchen Verstärkung“.

Welche Werbung sich lohnt
Patientinnen und Patienten suchen eine Praxis, wenn sie umziehen, eine Überweisung haben oder die alte Praxis keine Termine mehr vergibt. Was sie dann brauchen, sind Fakten: Wird mein Versicherungsstatus angenommen, wann ist Sprechstunde, gibt es Online-Termine? Je klarer das online steht, desto weniger klingelt das Telefon.
| Kanal | Was es bringt | Kosten | Aufwand |
|---|---|---|---|
| Google-Profil | Gefunden werden, Wegbeschreibung, Anrufe zur richtigen Zeit | kostenlos | 10 bis 15 Minuten pro Woche: Urlaube, Vertretung, Fotos |
| Website mit Sprechzeiten, Leistungen, Online-Termin | Weniger Anrufe, gute Vorbereitung auf den Termin | Baukasten ab etwa 20 Euro im Monat, Agentur oft mehrere Tausend Euro | einmal aufsetzen, zweimal im Jahr prüfen |
| Instagram oder Facebook | Team zeigen, Fachkräfte und Azubis gewinnen, Gesundheitstipps | kostenlos | ein Beitrag pro Woche |
| Aushang und Bildschirm im Wartezimmer | Selbstzahlerleistungen, Impfungen, Vorsorge erklären | gering | saisonal wechseln |
| Kooperationen mit Apotheke, Physiotherapie, Pflegedienst | Kurze Wege für Patienten, gegenseitige Hinweise | kostenlos | Gespräch und gelegentlicher Austausch; keine Vergütung für Zuweisungen |
Wann Werbung am besten wirkt
| Wann | Anlass | Idee |
|---|---|---|
| September bis November | Grippe- und Corona-Impfsaison | Beitrag mit Impfzeiten und wer sich impfen lassen sollte, sachlich |
| Dezember | Praxisurlaub zwischen den Jahren | Vertretung und Öffnungszeiten im Profil und auf der Website |
| Frühjahr | Heuschnupfen, Zecken, Reiseimpfungen | Hinweis auf Beratung vor der Reise |
| Sommer | Urlaubszeit im Team | Schließzeiten früh ankündigen, Sprechzeiten im Profil anpassen |
| Ganzjährig | Vorsorgeuntersuchungen | Einmal im Quartal erklären, welche Vorsorge die Kasse übernimmt |
Ideen, die wenig kosten
- Schreib in dein Google-Profil, wann die Telefonzeit ist und wann es Rezepte gibt. Das spart dem Empfang täglich Anrufe.
- Stell einmal im Monat eine Kollegin aus dem Team vor, mit Einwilligung und einem Satz, was sie gern macht.
- Beantworte häufige Fragen als kurze Beiträge: „Brauche ich eine Überweisung?“, „Wie bekomme ich ein Folgerezept?“.
- Leg einen QR-Code zur Online-Terminbuchung an den Empfang und auf die Rückseite der Terminkarte.
- Nutz das Profil für Stellen: Foto vom Team, „Wir suchen MFA in Teilzeit“, Link zur Bewerbung.
- Zeig Barrierefreiheit konkret: Aufzug, Parkplatz, Gebärdensprache oder Fremdsprachen im Team.
Deine Werbewoche in 30 Minuten
Montag: Profil und Website prüfen
Sprechzeiten, Vertretung, Urlaub. Ein falscher Eintrag erzeugt eine Woche lang Anrufe.
Dienstag: Bewertungen beantworten
Höflich, ohne zu bestätigen, dass jemand Patient war. Die Schweigepflicht gilt auch online.
Donnerstag: ein Beitrag
Team, Saisonthema oder eine häufige Frage. Sachlich, ohne Superlative.
Freitag: eine Sache für die nächste Woche notieren
Was haben Patienten diese Woche oft gefragt? Das ist das nächste Thema.
Typische Fehler
- Antworten auf Bewertungen, die Diagnosen oder Behandlungen erwähnen. Das verletzt die Schweigepflicht.
- Ein Google-Profil, das von Google selbst angelegt wurde und nie übernommen wurde. Übernimm es und pflege es.
- Werbesprache wie „Top-Praxis“ oder „die beste Behandlung“. Das ist anpreisend und berufswidrig.
- Stellenanzeigen nur auf Jobportalen, ohne ein einziges echtes Foto vom Team.
- Agenturpakete, die gekaufte Bewertungen oder Bewertungsaktionen mit Belohnung enthalten.
Häufige Fragen
Ist Werbung für Arztpraxen erlaubt?
Ja, sachliche Information über deine Praxis ist erlaubt. Verboten sind Anpreisen, Irreführen und Vergleichen, dazu Heilversprechen.
Darf ich Patientenbewertungen auf meiner Website zeigen?
Ja, wenn sie echt sind und die Patienten zugestimmt haben. Schreib dazu, ob und wie du prüfst, dass sie von echten Patienten stammen.
Wie bekomme ich weniger Anrufe in der Praxis?
Schreib ins Google-Profil und auf die Website, wann Telefonzeit ist, wie man Rezepte bestellt und wo es Online-Termine gibt. Jede Frage, die dort beantwortet ist, landet nicht mehr am Empfang.
Darf ich auf Instagram Gesundheitstipps geben?
Ja, allgemeine Informationen sind erlaubt. Vermeide Heilversprechen, Ferndiagnosen und Bilder von Patienten ohne Einwilligung.
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